Meine Wege zur fruchtbaren Erde.
Ein persönlicher Rückblick und eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen mit dem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit — von Franz Brunner, Biohof Brunner, März 2018.
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PDF öffnen ↗Vortrag Humusaufbau — Franz Brunner, St. Pölten, 2. März 2018
PDF öffnen ↗Geschätzte Freunde der fruchtbaren Erde! Auf Anfrage vom Geschäftsführer möchte ich hiermit einen kurzen Rückblick und eine Zusammenfassung über meine Erfahrungen mit dem Aufbau der Bodenfruchtbarkeit geben.
Wir sind Mitglied bei der Ökoregion Kaindorf und haben dort viele unsere Felder beim Projekt Humusaufbau gemeldet. Das erste Feld hat nach 5 Jahren — 2011 bis 2016 — einen Humuszuwachs von 0,5 % erbracht, obwohl wir keinen Wirtschaftsdünger haben, keinen Kompost zukaufen und in diesen 5 Jahren nur Marktfrüchte wie Weizen, Roggen, Mais, Soja und Dinkel angebaut hatten.
Beginn der Bewirtschaftung 1989
Von Beginn unserer Bewirtschaftung 1989 habe ich mich mit der Bodenfruchtbarkeit beschäftigt. Mein Ziel war es immer, möglichst fruchtbare Erde zu erhalten und aufzubauen. Da ich schon in jungen Jahren die Bodenerosion erlebt habe, war mir klar, dass ich was ändern muss. Der Grundgedanke war und ist die Bodenfruchtbarkeit während der Produktion zu steigern.
Unser Betrieb wird auf ca. 370 m Seehöhe im Trockengebiet Horner Becken mit weniger als 500 l Jahresniederschlag/m² und ohne Nutzvieh geführt. Wir bewirtschaften unsere Flächen seit 1994 biologisch und seit 1993 ohne Tierhaltung.
Die vielen Kleinigkeiten
Da ursprünglich die Sichtweise darauf beruhte, dass man die Bodenfruchtbarkeit mit so genannten „aufbauenden Früchten" — meist Kleegras — steigert und dann im Lauf der Fruchtfolge wieder daraus zehrt, ist es uns nicht gelungen, die besagte Bodenfruchtbarkeit anzuheben. Es sind die „vielen Kleinigkeiten", die nicht bekannt waren und daher zu wenig Erfolg brachten.
Einerseits haben wir die Biologie, „das Leben im Boden", zu wenig beachtet. Andererseits waren wir ursprünglich der Meinung, dass man den Boden schonen muss — also weniger bearbeiten, um weniger zu mobilisieren. Dies hat dazu geführt, dass die Bodenverdichtungen zugenommen haben und damit die Bodenfruchtbarkeit abnahm, obwohl die Regenwürmer mehr wurden.
Es ist wie so oft im Leben, dass der goldene Mittelweg zum Erfolg führt. Franz Brunner
Derzeit (2018) halten wir uns an eine Art Immergrün (nicht nach ÖPUL, sondern am Boden) mit Untersaaten für die Bodenfruchtbarkeit über den Sommer und winterfesten Begrünungen — so wie es die Natur vorgibt, dort wo der Mensch nicht eingreift. Und an den Grundsatz: „Flach wenden und tief lockern."
Mineralischer Ausgleich nach Prof. Albrecht
Ein wichtiges Detail, wahrscheinlich das wichtigste Detail am Beginn, ist der mineralische Ausgleich der Nährstoffe nach Prof. Albrecht. Diese Nährstoffe bilden das Grundgerüst — besser verständlich als „das Fundament der Bodenfruchtbarkeit". Eine stabile Krümelstruktur kann nur in einem Ausgleich der Nährstoffe aufgebaut werden.
Als einfaches Beispiel: So wie Schwefel und Kalk in ausgeglichener Form den Boden locker machen, ist unter anderem Magnesium für die Wasserspeicherung zuständig. Bei jedem Nährstoff gilt der Grundsatz: „zu viel und zu wenig ist schlecht für die Bodenfruchtbarkeit".
Wir erhalten eine aussagekräftige Bodenuntersuchung nach den Vorgaben von Prof. Albrecht
über die so genannte „Kinsey Bodenuntersuchung", die wir über
www.biogetreidemarkt.at
einsenden. Diese Bodenproben sind ab 2012 ein Meilenstein in unserer Bodenentwicklung.
Die Grundlage bilden die Erkenntnisse von Professor W. A. Albrecht (1888–1974), der an
der University of Missouri Bodenkunde lehrte: „Den Boden zu ernähren, nicht die Pflanze."
Untersaaten, Gräser und die grüne Brücke
Als weiteren Meilenstein betrachten wir die Untersaaten und Zwischenfrüchte mit Gräsern sowie möglichst vielfältige Begrünungen — die Natur liebt die Vielfalt.
Als uns DI Dietmar Näser die Gräser empfohlen hat, waren wir skeptisch. Als wir jedoch lernten, sie richtig einzusetzen, war es offensichtlich: Gräser leisten einen wichtigen Beitrag zur Kohlenstoffanreicherung im Boden. Unser Roggen als Kulturpflanze wird mit max. 7 t Wurzelmasse Trockensubstanz angegeben. Die Untersaatgräser bringen es jedoch auf max. 17 t Wurzelmasse Trockensubstanz — das ist 2,4 mal so viel.
Meine Empfehlung: Im Internet suchen unter:
dr. christin jones vortrag – youtube
Hintausacker — Bodenentwicklung in 7 Monaten
Wir hatten es nicht für möglich gehalten, dass die Bodenentwicklung so rasch vor sich gehen kann. Zwei Spatenstiche — am 28. Juni 2015 und am 5. Februar 2016 — zeigen die Entwicklung in nur 7 Monaten und 7 Tagen, in denen auch ein Teil des Winters enthalten war.
Eine dauernde Begrünung ergibt sich, weil wir in (fast) allen Ackerfrüchten eine Untersaat durchführen. Dadurch wird das „Sommerloch für das Bodenleben" geschlossen. Dietmar Näser nennt es: „Dem Bodenleben eine grüne Brücke bauen."
Bodenbearbeitung: die Fräse
Eine Bodenbearbeitung nach der Getreideernte zum Auflaufen der Ausfallsamen wird bei uns seit 2005 nicht mehr durchgeführt. Stattdessen wird nach der Ernte so rasch wie möglich (innerhalb 24 Stunden) eine Begrünung streifenweise in die Stoppeln eingesät.
Die Fräse kann durch ihre flache Arbeit und durch die intensive Mischung aus Grünmasse und Erde mit Luft eine Flächenkompostierung anstoßen. Wichtig ist, dass die Fräse ohne Walze und mit exakt einstellbaren Stützrädern ausgestattet ist.
Die Fräse wird vor Hauptfrüchten meist 2-mal eingesetzt: Die erste Überfahrt auf halber Saattiefe zum Anstoßen der Flächenrotte. Dann warten wir, bis ein positiver Geruch der Erde entsteht — das dauert im Frühjahr meist mehr als 2 Wochen. Dann kommt die zweite Überfahrt auf ganzer Saattiefe.
Tiefer Untergrundlockerer — der Parall-Zinken
Die tiefe Bodenbearbeitung mit dem Bodenbeleber — er bringt Luft in den Boden und damit das Leben — wird mit einem Parall-Zinken hauptsächlich nach der Saat getätigt. Das klingt verrückt, ich weiß. Ist es auch. Aber erfolgreich verrückt. ☺
Dieser Zinken wurde vor mehr als 100 Jahren von Howard zum Lockern der Schafweiden erfunden. Der Parall-Lockerer hat keinen Mischeffekt, arbeitet flächendeckend und macht kleine Risse im Boden ohne unnötige Hohlräume. Nach der Lockerung werden die Felder nicht mehr befahren (abgesehen vom Striegeln oder bei der Blattdüngung mit der Spritze), und die Wurzeln können sich im gelockerten, aber nicht überlockerten Erdreich gut entwickeln.
Mit dem Ziel, jede Fäulnis zu verhindern, werden bei jeder Bodenbearbeitung Fermente eingesetzt. Als Vitalisierung der Bestände spritzen wir Komposttee aus dem Vortex-Bräuer und setzen je nach Bedarf (Bodenprobe) Bor und Calcium als Blattdünger ein.
Kartoffelproduktion mit Mulchabdeckung
Die Kartoffelproduktion hat immer einen massiven Eingriff in den Boden zur Folge. Wir kompensieren dies seit 2006 durch eine Mulchauflage. Diese hält den Boden krümelig fein, egal ob trockene oder nasse Bedingungen herrschen. Der Damm erhitzt sich nicht so sehr, dadurch hat die Kartoffelpflanze weniger Stress. Außerdem ist diese Mulchauflage eine Nährstoffnachlieferung an der Oberfläche in lebendiger Form. Die Kartoffeln danken es mit außergewöhnlich gutem Geschmack und mit wesentlich mehr Ertrag.
Kartoffeln mit Mulchauflage aus gehäckseltem Wickroggen mit Winterrübsen-Landsberger Gemenge
Zusammengefasst kann man sagen: Wir sind auf einem guten Weg, der Freude macht und die Arbeit belohnt. Franz Brunner, Horn NÖ, März 2018