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Beratung  /  Öko-Landbau schützt vor Überschwemmung

Der Boden als Schwamm.

Ein humusreicher, biologisch bewirtschafteter Boden hält pro Hektar zwischen 200 000 und 400 000 Liter Wasser zurück. Ein verdichteter, struktur­armer Boden lässt das gleiche Wasser ins Tal abfließen.

Acker nach Starkregen — Vergleich

Ökologischer Landbau kann die Folgen von Hochwasserschäden drastisch reduzieren. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Instituts für Pflanzenernährung und Bodenkunde sowie des Institutes für Ökologischen Landbau der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig.

Ewald Schnug und Gerold Rahmann, Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig. Untersuchung zu den Zusammenhängen zwischen Bodenverdichtung, Infiltration und Hochwasserereignissen.

Die großen Abflussgebiete im Fokus

„Sieht man von den Hochwasserschäden im Hochgebirge und in Tälern einmal ab, sind es die großen Abflussgebiete der Flüsse Rhein, Elbe und Oder, in denen sich die Überschwemmungen verheerend ausgewirkt haben", so Schnug. Geringe Veränderungen wie eine Versiegelung des Bodens von nur einem halben Millimeter wirken sich katastrophal aus — die so genannte Infiltration, also die Versickerungsleistung von Böden, verändert sich dabei rapide.

Geringe Veränderungen wie eine Versiegelung des Bodens von nur einem halben Millimeter wirken sich katastrophal auf die Versickerungsleistung aus. Ewald Schnug, FAL Braunschweig

Bodenverdichtung als schleichende Versiegelung

Das Team von Schnug und Rahmann hat errechnet, dass Bodenverdichtung und Verschlämmung zu einer Reduzierung der Infiltration landwirtschaftlich genutzter Böden führen. Auslösende Faktoren für diese „schleichende Versiegelung" sind:

  • Abnehmende Humusgehalte
  • Abnehmende biologische Aktivität im Boden
  • Zunehmende Verdichtungen durch zu hohe mechanische Bodenbelastung

Hohe Infiltrationsleistungen eines intakten Bodengefüges dagegen können die Intensität von Hochwasserereignissen vermindern.

Was Öko-Landbau anders macht

„Es wurde offensichtlich, dass eine pfluglose Bodenbearbeitung in konventionellen Betrieben deutlich zur Erhöhung der Infiltration beitragen kann", so Schnug. Der Unterschied der Infiltrationsleistung zwischen einem konventionellen Feld und einem ökologisch bebauten ist fast doppelt so groß.

so viele Regenwürmer leben auf einem ökologisch bebauten Feld verglichen mit einem konventionellen.

höhere Infiltrationsleistung auf ökologisch bewirtschafteten Flächen gegenüber konventionell bewirtschafteten.

„Durch günstigere Bedingungen erlaubt der Ökolandbau die Bildung von Bioporen, geschaffen durch die Aktivität von Bodenlebewesen, insbesondere von Regenwürmern", erklärt Schnug. „Durch den Anbau von mehrjährigem Ackerfutter und Zwischenfrüchten sowie optimaler Zufuhr organischer Dünger ist der Humusgehalt in ökologisch bewirtschafteten Böden in der Regel höher als in konventionell bewirtschafteten Böden."

Ökolandbau als Hochwasserschutz — eine gesellschaftliche Leistung

„Vor dem Hintergrund der verheerenden Hochwasserereignisse kann die Erhaltung einer standorttypischen hohen Infiltrationsrate durchaus als eine der wichtigsten, nicht durch Produktpreise entlohnten Leistungen der Landwirtschaft angesehen werden", meint Schnug.

Als Ausgleich für die Versiegelung von Böden in Städten sollte ökologischer Landbau in die Nähe der Städte und damit der Märkte rücken. Eine Bewertung des Ökolandbaues nicht über die Produkte, sondern über den Bodenerhalt wäre nach Ansicht des Experten begrüßenswert.

Die Förderung des ökologischen Landbaus ist als eine wirksame ökologische Ausgleichsmaßnahme für anthropogene Versiegelungen anzustreben. Ewald Schnug, FAL Braunschweig

Hochwasserschutz beginnt nicht beim Damm, sondern beim Acker. Wenn Sie als Gemeinde oder Wassergenossenschaft über das Thema reden wollen, komme ich gern für einen Vortrag und eine gemeinsame Begehung. Mehr unter Kontakt.