Fäulnis und Rotte — die großen Gegenspieler.
Ein offener Brief von Franz Brunner über Misswirtschaft mit Stalldünger, Nährstoffverluste und warum der Unterschied zwischen aerobem und anaerobem Abbau über Bodengesundheit und Ernteerfolg entscheidet.
Geschätzte Freunde — ergänzend zum Brief „Gedanken zum Boden”, den ich zu Jahresbeginn ausgesendet habe, möchte ich noch etwas anmerken. Ich habe im Zusammenhang mit Bodenaufbau und Mist folgendes geschrieben:
„Das für den Stall benötigte Stroh wenn möglich zukaufen und das eigene Stroh am Feld belassen.”
Das ist natürlich keine Dauerlösung! Der Strohzukauf kann dort Sinn machen, wo es von den Nachbarn ohnehin verbrannt wird — wenn z.B. als Folgekultur Winterraps kommt. Bei uns wird dann das Stroh an die Nachbarn (fast) verschenkt — ist besser als verbrennen. Gemeint war auch eine Übergangslösung für den Bodenaufbau von 2 bis 4 Jahren. Auf Dauer soll natürlich jeder Acker sein Stroh selbst verarbeiten dürfen.
Sir Albert Howard über die Misswirtschaft mit Stalldünger
Sir Albert Howard schreibt in seinem weltbekannten Buch „Mein landwirtschaftliches Testament” über die Misswirtschaft mit dem Stalldünger folgende Zeilen:
„Obgleich der Stalldung immer eines der hauptsächlichsten Mittel zum Ersatz von Bodenverlusten gewesen ist, sind sogar heute noch die Methoden zur Herstellung dieses Stoffes nichts weniger als kläglich! Die Stalldüngergewinnung ist das schwächste Glied in der Landwirtschaft der Länder des Westens. Seit Jahrhunderten war diese Schwäche der grundlegende Fehler im Landbau des Westens, der von vielen Beobachtern und der großen Mehrzahl der Forscher vollständig übersehen wurde.” Sir Albert Howard, „Mein landwirtschaftliches Testament”
Ein Mitarbeiter vom Chinesischen Landwirtschaftsamt hat nach seinem Besuch in Deutschland und Frankreich zu Hause in China zu seinen Kollegen gesagt:
„Die überwiegend mangelhafte Aufbereitung der Hofdünger führt in diesen Ländern zu großen Verlusten an Nährstoffen und der Bodenfruchtbarkeit und zur verminderten Volksgesundheit. Die Lagerfähigkeit und die Schmackhaftigkeit der Ernteprodukte leidet darunter sehr. Wenn wir so mit unseren Hofdüngern umgehen würden, dann wäre unser Volk krank und hungrig!” Chinesischer Landwirtschaftsbeamter · zitiert bei Erhard Hennig
Erhard Hennig zitiert diese Worte in seinem Büchlein „Fäulnis und Rotte — die großen Gegenspieler”.
Da es bei der Bodenbearbeitung und Gründüngung sowie bei der Aufbereitung der Hofdünger nicht nur um geringe Nährstoffverluste geht, möchte ich hier eine Gegenüberstellung von Fäulnis und Rotte machen.
Fäulnis gegen Rotte — der Vergleich
Fäulnis
anaerob · ohne Luftsauerstoff
Abiotischer (lebensfeindlicher) Vorgang ohne Luftsauerstoff
Rotte
aerob · mit Luftsauerstoff O²
Biologischer (lebensfördernder) Vorgang mit Luft-Sauerstoff O²
Beteiligt sind:
- O²-fliehende Bakterien (Anaerobier)
- Insekten
Beteiligt sind:
- O²-liebende Bakterien, Hefen
- Schimmelpilze, Strahlenpilze, Hutpilze
- Regenwürmer und Kleinstlebewesen
Es entsteht:
- Roh-Humus = Insektenhumus
Es entsteht:
- Echter Humus / Dauerhumus
- Regenwurm-Humus (Ton-Humus-Komplexe)
Bildung von:
- Schwefelwasserstoff, Chlorwasserstoff, Kohlenstoff
- Ammoniak (NH₄) — Stickstoffverluste!
- Toxinen (Giftstoffe) — fördern Krankheiten
- Gefährdung der Tierbestände durch Viren
- Bakterien erzeugen keine Vitamine
- Zinkmangel → Virusbefall
Bildung von:
- Pflanzenaufnehmbaren Spurenelementen: Zink, Kupfer, Magnesium, Mangan, Molybdän u.v.a.
- Salpeter-Stickstoff (NO₃) — Stickstoffbindung zu Pilzeiweiß (langsam fließende N-Quelle)
- Antibiotika, Hemmstoffe gegen Krankheiten
- Zerstörung der Viren
- Schimmelpilze erzeugen Vitamine, Enzyme
- Schimmelpilze erzeugen reichlich Zink — wichtig für den Aufbau von Proteinen (Eiweiß)
FÄULNIS führt zu Schädlingsbefall!
ROTTE ist Voraussetzung für gesunde Pflanzen!
Der Mensch ist in dieser Kette „Boden – Pflanze – Tier – Mensch” mit einbezogen!
Die Schlussfolgerung
Die Fäulnis ist ein lebensfeindlicher Vorgang, der auch beim Einarbeiten von grünen Pflanzen in den Boden entsteht!
Die ROTTE ist ein Vorgang, der Leben aufbaut, fördert und Schädlingen keine Chance gibt. Franz Brunner
„Seid vorsichtig mit dem, was ihr am Feld ausbringt und wie ihr es einarbeitet.”
Herzliche Grüße — Franz
Mehr über die Grundlagen des Humusaufbaus und wie Bodenbiologie gefördert wird: → Humusaufbau